

26.02.2026
Zukunftsfähige Finanzierung im Sport
Sowohl Vereine als auch Sport-Events stehen heutzutage vor der Herausforderung, wirtschaftliche Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Zwischen regulatorischen Rahmenbedingungen, steigenden Kosten, Innovationsdruck und dem Bedarf an diversifizierten Erlösquellen wird die richtige Balance zwischen Kapital, Wachstum und Nachhaltigkeit zum entscheidenden Erfolgsfaktor nachhaltiger Finanzierung. Wir haben unser Netzwerk gefragt, welche Trends sie beobachten und wie sich Organisationen finanziell zukunftsfähig aufstellen können.
FC St. Gallen
Wirtschaftliche Stabilität aus eigener Stärke
Beim FCSG arbeiten wir mit grosser Leidenschaft daran, sportlichen Erfolg und wirtschaftliche Stabilität in Einklang zu bringen. Für uns ist klar: Wir entwickeln uns aus eigener Stärke weiter. Deshalb finanzieren wir sowohl den laufenden operativen Betrieb als auch unsere Weiterentwicklung aus den Erträgen unserer Geschäftsbereiche, halten genügend Liquidität für herausfordernde Phasen bereit und achten auf eine Eigenkapitalquote, die unserem Anspruch an Verantwortung und Nachhaltigkeit entspricht.
Unsere Sponsoren und Partner spielen dabei eine zentrale Rolle. Ihre Unterstützung bedeutet uns viel – nicht nur finanziell, sondern auch als Ausdruck von Vertrauen und Verbundenheit. Wir entwickeln diese Partnerschaften bewusst weiter: weg von standardisierten Paketen, hin zu individuellen Lösungen, die Werte, Geschichten und Fans auf eine authentische Weise miteinander verbinden.
Langfristige finanzielle Sicherheit entsteht bei uns durch ein enges Zusammenspiel zwischen operativer Führung, Verwaltungsrat und Eigentümern. Wir verfolgen gemeinsam eine klare Vision für den FCSG – und gehen diesen Weg konsequent und mit Überzeugung.
Beat Kronenberg, CEO, FC St.Gallen Event AG

SV Wehen 1926 Wiesbaden
Kontinuität und Verlässlichkeit durch Eigenkapitalstärkung
Die zentrale Entwicklung in unserer Finanzierung ist die konsequente Stärkung des Eigenkapitals. Wir setzen bewusst auf eine robuste, nachhaltige Kapitalstruktur mit hoher Eigenkapitalquote. Fremdfinanzierung spielt für uns nur eine untergeordnete, klar definierte Rolle und dient ausschließlich der gezielten Strukturierung einzelner Projekte – nicht der operativen Finanzierung.
Unsere Kapitalstruktur entwickelt sich daher stabil und wachstumsorientiert. Grundlage dafür ist eine gesunde Ertragsbasis sowie die Unterstützung eines starken, langfristig denkenden Anteilseigners, der Kontinuität und Verlässlichkeit garantiert.
Sponsoring- und Partnerdeals sind für uns weit mehr als reine Erlösquellen. Sie sind strategische Partnerschaften mit inhaltlicher Tiefe, die auf langfristige Wertschöpfung, Infrastrukturentwicklung und gemeinsame Innovationsprojekte einzahlen. Die Struktur hat sich in Richtung mehrjähriger, substanzieller Kooperationen mit klarer strategischer Ausrichtung entwickelt.
Langfristige finanzielle Stabilität sichern wir durch Disziplin, klare Governance, nachhaltige Investitionen in Strukturen und eine konsequente Ausrichtung auf wirtschaftliche Substanz statt kurzfristiger Effekte.
Tobias Keller, Sprecher der Geschäftsführung (CEO), SV Wehen 1926 Wiesbaden

SCC EVENTS
Kennzahlen zur Risikominimierung & langjährige Partner
Als Organisator von Großveranstaltungen setzen wir als SCC EVENTS hauptsächlich auf zwei Grundsäulen einer jeden Veranstaltung - unseren Teilnehmenden und unseren Partnern das bestmögliche Erlebnis zu bieten. Um die Finanzierung unserer Events auch in Zukunft sicherzustellen, knüpfen wir Investitionen zur Risikominimierung zunehmend an Performance- und Wachstumskennzahlen. Diese Auswertungen helfen uns, unternehmerische Anreize zu schaffen und uns in die gewünschte Richtung zu entwickeln.
Unsere neuen sowie langjährigen Partner sind weiterhin ein wichtiger Faktor für unser Event- Business. Der Laufsport erfährt einen erneuten Aufschwung und ist in der Gesellschaft vollends angekommen, dadurch bietet er für viele Unternehmen große Möglichkeiten, sich zu präsentieren. Diese Präsentationen sind nicht mehr nur klassische Logo- und Sichtbarkeitspakete, sondern im digitalen Zeitalter deutlich mehr Content-, Digital- und Aktivierungskomponenten.

Investitionen sind immer eine Wette für die Zukunft – durch hohe Expertise an Schlüsselpositionen entsteht eine hohe Planungssicherheit – die Personalentwicklung ist dadurch für uns ein wichtiger Faktor. Unser Ziel ist es, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen variablen und fixen Kosten zu behalten. Dies gibt uns die Möglichkeit, wirtschaftliche Resilienz vorzuleben und uns gleichzeitig weiter zu entwickeln.
Aike Fokkena, Team-Lead Finance, SCC EVENTS
CrowdSports
Bringing Football Back to Its Fans
CrowdSports ermöglicht es Fussball- und Sportfans, sich direkt an der Finanzierung ihrer Lieblingsclubs zu beteiligen, etwa bei Transfers oder der Professionalisierung von Teams. Fans erhalten leistungsabhängige finanzielle Anreize sowie exklusive Erlebnisse wie VIP-Tickets oder persönliche Treffen. So werden Fan Engagement und Involvement auf ein neues Level gehoben.
Wichtig: Der Verein entscheidet jederzeit selbst, welche Projekte er veröffentlicht und welche Bedingungen gelten. CrowdSports stellt lediglich die Infrastruktur bereit. Es gibt keinen Einfluss auf sportliche Entscheidungen, keine Mitbestimmung an Transfers und keine Verletzung der 50+1-Regel. Die Unabhängigkeit der Clubs bleibt vollständig gewahrt.

Das Modell ist mit der FIFA abgestimmt und erfüllt alle regulatorischen Anforderungen, insbesondere im Hinblick auf Third-Party-Ownership und Third-Party-Influence. Bereits live mit 20 Clubs, darunter GC Frauenfussball und die SpVgg Bayreuth, bereitet CrowdSports aktuell weitere Partnerschaften mit namhaften europäischen Organisationen vor.
Roger Grossenbacher, Co-Founder & CFO, CrowdSports
Lang Consult
Vosprung durch Verbindung von Expertise & KI
Sportklubs waren lange Trophy Assets - Investitionen aus Leidenschaft, ohne Renditedruck. Das ist vorbei. Heute fließt institutionelles Kapital in den Sport, mit komplexen Strukturen und klaren Erwartungen. Die entscheidende Frage lautet nicht mehr "Wie finanzieren wir?”, sondern vielmehr "Verstehen wir unsere Struktur gut genug, um zu wissen, was passiert, wenn mehrere Dinge gleichzeitig schiefgehen?"
Klassisches Controlling denkt zumeist in drei Szenarien. Die Realität kennt Hunderte. Abstieg, Sponsoringausfall und schwacher Transfermarkt verstärken sich gegenseitig, wer diese isoliert betrachtet, unterschätzt das aggregierte Risiko systematisch. Genau hier verändert KI die Finanzsteuerung: nicht durch bessere Reports, sondern durch die Fähigkeit, Wechselwirkungen in Echtzeit zu simulieren. Welche Covenants geraten unter Druck? Wann kippt die Liquidität? Klubs, die diese Fragen in Stunden beantworten statt in Wochen, verhandeln besser, planen realistischer und überraschen ihre Investoren seltener mit schlechten Nachrichten. Der Vorsprung entsteht dort, wo Finanzexpertise, Branchenwissen und KI zusammenkommen. Die Klubs, die das verstehen, treffen bessere Entscheidungen. Auch wenn der Ball mal nicht rollt.

Dabei haben Private Credit und Private Equity klassische Bankfinanzierung als dominante Kapitalquelle abgelöst. Mehr als ein Drittel der europäischen Profiklubs wird heute durch privates Kapital finanziert. Die Deals werden dabei immer komplexer: Kredite gegen Stadionsicherheiten, Vorfinanzierung künftiger Medienrechte, Beteiligungen über separate Investmentvehikel. Das gemeinsame Muster ist überall dasselbe – Klubs monetarisieren zukünftige Cashflows heute. Private Credit ist kein Kriseninstrument mehr, sondern vielmehr als Standardfinanzierung zu sehen.
Der Trend geht klar zu höherem Leverage – aber die Realität hinter den Bilanzen ist komplexer als sie scheint. Was formal als Eigenkapital ausgewiesen wird, ist häufig Preferred Equity mit Liquidationspräferenz. PE-Eigenkapital sieht auf der Bilanz gut aus – wirtschaftlich aber kommt es mit Renditeerwartungen, die klassisches Fremdkapital deutlich übertreffen. Das erzeugt erheblichen Steuerungsdruck auf die Geschäftsführung, der in der internen Planung oft unterschätzt wird. Für große Klubs mit Kapitalmarktzugang entstehen dadurch komplexe Strukturen, die einer genauen Analyse bedürfen, wer im Ernstfall zuerst auf das Geld zugreift und wer am Ende leer ausgeht. Für Mid-Market-Klubs ohne diesen Zugang wächst die Finanzierungslücke derweil ungebremst.
Der globale Sponsoringmarkt wächst kontinuierlich und zeigt keine Abschwächungstendenzen. Gleichzeitig vollzieht sich ein fundamentaler Strukturwandel: Sponsoren erwarten heute messbare Gegenleistungen – konkrete Reichweitendaten, Zielgruppenprofile und nachweisbare Markenwirkung. Wer diese Daten nicht liefern kann, verliert Deals. Performance-abhängige Tranchen, bei denen ein Teil der Sponsoringerlöse an sportliche Kennzahlen oder Reichweitenziele geknüpft ist, nehmen deutlich zu. Das erhöht die Planungsunsicherheit erheblich. Hinzu kommt ein regulatorischer Einschnitt: Mehrere Ligen schränken Wettanbieter als Hauptsponsoren ein oder planen entsprechende Verbote. Klubs, die ihren Commercial-Bereich nicht rechtzeitig diversifizieren, stehen vor einem ernsthaften Restrukturierungsproblem.
Warnsignal Frankreich: Als DAZN den Ligue-1-Vertrag abbrach, verloren mehrere Klubs über Nacht mehr als die Hälfte ihrer Broadcast-Einnahmen, ohne Puffer, ohne Plan B. Klubs mit hoher Abhängigkeit von einer einzigen Einnahmequelle sind strukturell fragil, unabhängig von ihrer sportlichen Performance. Langfristige finanzielle Stabilität entsteht nicht durch eine einzelne Finanzierungsentscheidung, sondern durch konsequentes Steuern über mehrere Hebel gleichzeitig: diversifizierte Erlösströme, belastbare Liquiditätspuffer, transparente Kapitalstruktur und ein Controlling, das Risiken frühzeitig sichtbar macht, bevor sie zur Krise werden.
Jürgen Lang, Managing Partner, LANG CONSULT