

21.05.2024
Verbandsmanagement zwischen Digitalisierung und Verjüngung
Der Wunsch nach Reformen im Sportsystem ist gross: Schlankere Strukturen, bessere Bezahlung und mehr Hauptamtlichkeit, stärkere Kooperationen beispielsweise im Wissensmanagement, Entbürokratisierung und Künstliche Intelligenz für bessere Workflows sind einige der Aspekte. In einem Think Tank zum «Verbandsmanagement» waren sich die Expertinnen und Experten einig, dass die Verjüngung der Mitglieder- und Führungsstruktur der Schlüssel zu einer erfolgreichen Transformation sein wird.
Die Bedeutung und Entwicklung von Trainern ist dazu wiederum ein Fokusaspekt. Denn das Sporterlebnis von Nachwuchs-, Breiten- und Spitzensportlern wird geprägt von den Trainerpersönlichkeiten. Das System Sportverband tut entsprechend gut daran sein Trainersystem zu entwickeln und auch den Status von Trainern zu verbessern.
Think Tank mit wissenschaftlichem Input
Die unterschiedlichen Perspektiven des Verbandsmanagements wurden beim erstmaligen Think Tank Meeting mit Vertretern namhafter Sportverbände diskutiert. Unter anderem beteiligten sich die Deutsche Triathlon-Union, der Bund Deutscher Radfahrer, der Bundesverband Kickboxen, der Deutsche Turnerbund, die Deutsche Golfsport GmbH, der Bayrische Landessportverband, der Fussball & Leichtathletik Verband Westfalen, die PGA Professional Golfers Association Germany, die Gesellschaft zur Förderung des Radsports und die Organisation German Volunteers. Marcus Hochhaus von der Beratungsfirma Sportheads, Alexandra Büchling von der WHU Koblenz und Carina Sahm vom Bayrischen Landes-Sportverband brachten ihre wissenschaftliche Expertise ein.
Die Ergebnisse des Think Tanks «Verbandsmanagement» fliessen in die Programmgestaltung des Kongresses SPORT MARKE MEDIEN anlässlich der ISPO Sportmesse (2./3. Dezember 2024) ein und werden in weiteren digitalen Meetings konkretisiert. Die Initiative entstammt dem ESB Marketing Netzwerk, in dem auch zahlreiche Sportorganisationen organisiert sind.
Digitalisierung im organisierten Sport
Das Verständnis für die Digitalisierung im Verbandsmanagement ist sehr unterschiedlich. Bei einigen Organisationen sind bereits Websites und Social Media Kanäle digitale Herausforderungen. Das Verbandsmanagement mit digitalen Angeboten und Tools für Mitglieder und Funktionäre gehören zunehmend zur modernen Sportorganisation. Insgesamt sieht der organisierte Sport sich bei der Digitalisierung maximal im hinteren Mittelfeld. Dies wohl auch, weil das Geld für notwendige Investitionen fehlt. Robert Bruck, Geschäftsführer Deutsche Golf Sport GmbH, sieht darin ein Huhn-Ei-Problem, denn die Daten der Verbände sind ökonomische Schätze, die es zu heben gilt. Die Kosten der Digitalisierung liessen sich ausserdem durch Kooperationen beispielsweise bei der Programmierung deutlich senken. Verbände sollten sich dazu als Rechtehalter sehen und wie mittelständische Unternehmen denken. Aktuell jedoch sind die Rechte an den Mitglieder-Daten meist bei den Landesorganisationen. Diese föderalistischen Strukturen der Datenhoheit und die Datenschutzproblematik verhindern ein modernes Mitgliedermarketing mit der Attraktivität kommerzieller Sportcommunities (Strava, Swift, Komoot, Runtastic).
Wirtschaftliches Denken und professionelle Strukturen
Sportverbände waren über Jahrzehnte Monopolisten ihrer Sportarten. Private Sportangebote wie Hyrox, Crossfit oder BallerLeague brechen das Monopol auf. Ebenso halten zunehmende Hauptamt-Strukturen Einzug in den organisierten Sport. Ob daraus ein gesunder Wettbewerb zwischen Sportvereinen und Privatwirtschaft entsteht wird die Zukunft zeigen. Diese sind Teil der Zukunftsszenarien 2040, die Alexandra Büchling mit Vertretern der Spitzenverbände und unter Förderung des Bundesinstitutes für Sportwissenschaften untersucht. Die 12 disruptiven Zukunftsszenarien werden bis Ende diesen Jahres hinsichtlich ihrer Wahrscheinlichkeit, Wünschbarkeit und ihres Ausmaßes im Falle eines Eintretens bewertet und diskutiert.
Junge Menschen als Trainer und Funktionäre gewinnen
Das Dilemma vieler Sportvereine ist, dass zwar fast jedes Kind in Deutschland Mitglied eines oder mehrerer Sportvereine ist, aber bereits Kinder und Jugendliche ab 13/14 Jahren dem aktiven Vereinssport den Rücken zu kehren. Sie wandern entweder in den Freizeit- und Fitness-Sport aus oder sie widmen sich anderen Beschäftigungen. Das enorme Potential dieser Menschen wird weder für das Trainer- noch für das Funktionärsamt genutzt. Um dieser Entwicklung entgegen zuwirken nutzt der Fussball- & Leichtathletik Verband Westfalen seine E-Sport-Plattform. Das Beispiel zeigt Lösungen gegen die sinkende Relevanz des Sportsystems auf. Besonders in städtischen Regionen gilt es, die Trainerknappheit und somit auch die Qualität des Sportsystems zu verbessern. Die Potentiale dazu sind vorhanden.
Wertschätzung als Währung
Der Trend zum Individualsport ist ungebrochen. Jedoch lassen sich auch gegenläufige Entwicklungen erkennen. Die Organisation «German Volunteers» rekrutiert beispielsweise 25% ihrer Helfer ausserhalb von Vereinen und sammelt hervorragende Resonanz darauf, die ehrenamtliche Tätigkeit wertzuschätzen.
Trainer-Club und Trainer-Influencer
Die strategische Bedeutung der Trainertätigkeit hat beim Bund Deutscher Radfahrer dafür gesorgt, dass mit dem Trainer-Club ein Gesamtkonzept zur Förderung geschaffen wurde. Da die Meinungsbildung und Identifikation bei jungen Menschen über Social Media stattfindet, sind Trainer-Influencer ein wichtiger Kommunikationskanal in der Zukunft, den es auch von Seiten des Sportmanagements zu fördern gilt.
Kontakt
ESB Marketing Netzwerk
Hans-Willy Brockes (Geschäftsführung)
E-Mail: hwb@esb-online.com
