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10.02.2026

Neue Sportformate: Vom Hype zur Akzeptanz

Der Deutsche Tennis Bund hat Padel längst als Teil des Verbands integriert. Auch weitere Sportarten wie Pickleball werden im DACH-Markt immer beliebter. Zusätzlich erreichen Sportarten wie Basketball mit 3x3 neue Zielgruppen. Welche neuen Formate sind im Sport besonders interessant und wie schafft man nachhaltige Relevanz? Netzwerk Partner teilen in diesem Artikel ihre Einschätzungen.

Sportspeople

Sport mit Lifestyle-Fit

Besonders interessant sind aktuell neue Sportformate, die niedrigschwellig, urban und/oder stark community-getrieben funktionieren – etwa Padel, MMA oder Fußball-Kleinfeldligen. Sie brechen klassische Sportlogiken auf, sind schnell verständlich, kurzweilig und stark über Lifestyle, Social Media und Teilhabe verankert.

Der zentrale Unterschied zu traditionellen Sportevents liegt weniger im sportlichen Kern als in der Inszenierung. Neue Formate denken vom Erlebnis her: kürzere Spielzeiten, Musik, Storytelling und eine größere Nähe zu Athlet:innen stehen im Vordergrund.

Die größte Herausforderung bleibt die nachhaltige Relevanz. Klassische Sportarten leben von über Jahre gewachsenen emotionalen Bindungen. Diese lassen sich nicht allein durch Creator-Push erzeugen.

Wachstum entsteht dort, wo neue Sportformate einen klaren Mehrwert gegenüber klassischen Sportarten bieten und insbesondere jüngere Zielgruppen ansprechen. Diese sehnen sich nach Sport, der zu ihrem Lifestyle und ihrem Medienkonsum passt. Wer diese Bedürfnisse ernst nimmt, schafft die Grundlage für nachhaltiges Wachstum jenseits kurzfristiger Hypes.

Philipp Kupfer, Geschäftsführer | Managing Director, Vertrieb, The Sports People

Steilpass

Vereine und Verbände schaffen Grundlagen

3X3 Basketball ist aus unserer Sicht aktuell eins der spannendsten neuen Sportformate. Der sportliche Wettbewerb ist schnell, spektakulär und erzeugt tolle Bilder in den sozialen Medien. Die Spiele kommen der Tendenz entgegen, dass die Menschen kurze, attraktive Einheiten konsumieren wollen, große Turniere werden direkt in den Innenstädten ausgetragen, sie kommen also zu den Menschen.

Im Vergleich zum klassischen Basketball und anderen Ballsportarten sind die Fans sehr nah dran am Geschehen, Musik und ein Rahmenprogramm laden zum deutlich längeren Verweilen ein. Das Besondere ist auch, dass der Zugang für Sportlerinnen und Sportler extrem niederschwellig ist. Verbände und Vereine bieten mittlerweile im Sommerhalbjahr eine große Zahl an Turnieren für den Breitensport an.

Der Deutsche Basketballbund macht schon vieles richtig bei der Entwicklung der Sportart. In den vergangenen Jahren haben die Deutschen Meisterschaften immer wieder vor attraktiven Innenstadtkulissen stattgefunden und locken dort nicht nur ausgewiesene Basketballfans an. Gleichzeitig gibt es gute Ansätze, den Sport von unten her zu entwickeln, indem er in die Jugendarbeit integriert wird. Durch die Goldmedaille der Deutschen Damen bei Olympia 2025 in Paris hat das Format außerdem viel Aufmerksamkeit bekommen, die es nun weiter zu nutzen gilt. Dafür müssen Verbände und Vereine den Rahmen schaffen, aber die Sportlerinnen und Sportler sowie die Communities (Vereine) sind durch die hohe Social Media Attraktivität wichtige Multiplikatoren.

Jens Leonhäuser, Geschäftsinhaber, Steilpass

querfeldein

Zwischen Hype und Substanz

Das Beispiel der Baller League zeigt, wie anspruchsvoll es ist, neue Sportformate nachhaltig zu etablieren. Aufmerksamkeit allein reicht nicht aus. Insbesondere dann nicht, wenn zeitgleich ähnliche Konzepte wie Icon League oder Kings League um dieselben Zielgruppen, Creator und medialen Räume konkurrieren. Der Markt ist schneller, transparenter und deutlich weniger geduldig als noch vor wenigen Jahren.

Gleichzeitig gibt es Sportformate, die aktuell enormen Zulauf verzeichnen und genau deshalb besonders interessant sind, wie z.B. Padel und 3x3 Basketball.

Beide Formate zeichnen sich durch einen niederschwelligen Zugang aus. Die Lernkurve ist steil, der Einstieg schnell möglich. Teilweise handelt es sich um reduzierte, be- oder entschleunigte Varianten etablierter Sportarten, die bewusst auf die Bekanntheit und Relevanz des Hauptsports aufsetzen. Genau das schafft Akzeptanz bei neuen Zielgruppen, ohne den Kern des Sports zu verwässern.

Ein weiterer zentraler Unterschied zu klassischen Sportevents liegt im Raum und in der Nutzung. Viele dieser Formate funktionieren mit vorhandener Infrastruktur, sind in urbanen Lebensräumen spielbar und ermöglichen es insbesondere Kindern und Jugendlichen, selbstorganisiert und ohne Anleitung aktiv zu werden. Ein Ansatz, der auch in sportwissenschaftlichen Untersuchungen seit Jahren gefordert wird.

Padel zeigt dabei exemplarisch, wie eine Trendsportart zielgruppengerecht wachsen kann. Keine Vereinsverpflichtung, die Organisation digital gemanagt, Spielfähigkeit bereits mit vier Personen und schnelle Erfolgserlebnisse. Das senkt Hemmschwellen und erhöht die Wiederkehrrate deutlich.

Für das Wachstum neuer Formate bleibt ein Grundprinzip dennoch konstant. Prominenz plus Event erzeugt Aufmerksamkeit. Creator und Athleten übernehmen dabei eine zentrale Rolle als Botschafter, Vorbilder und Identifikationsfiguren. Sie aktivieren Communities, geben Formaten ein Gesicht und sorgen für Glaubwürdigkeit jenseits klassischer Werbebotschaften.

Aus Vermarktungsperspektive entstehen so neue, spannende Spielräume. Rechtegeber können sich für neue Sponsoren öffnen, die in klassischen Sportstrukturen kaum Zugang finden. Rechtenehmer erhalten die Möglichkeit, sich in noch wenig besetzten Kommunikationsräumen sichtbar zu positionieren und früh Teil eines wachsenden Ökosystems zu werden.

Neue Sportformate scheitern nicht an Ideen, sondern an fehlender Passung. Erfolgreich sind jene Konzepte, die Einfachheit, Relevanz und Gemeinschaft konsequent zusammen denken.

Alexander Wütz, Inhaber, Querfeldeinsport

apollo 18

Formate auf Augenhöhe

Wir erleben in unserer täglichen Arbeit, wie schnell neue Sport-Entertainment-Formate wie die Fußball-Creator-Ligen, "Last Soul Ultra" oder auch Events wie der Netflix Live Climb am Taipei 101 entstehen und weiterentwickelt werden. Sie verdeutlichen, dass der Fokus immer stärker vom reinen Wettkampf hin zu ganzheitlichen Entertainment-Erlebnissen mit starker Community-Interaktion rückt. 

Storytelling steht dabei klar im Mittelpunkt - umso näher die Community dran sein und bestenfalls sogar mitgehalten kann, desto erfolgreicher die Formate. Während klassische Sportformate häufig Jahre benötigen, um neue Regeln oder Mechaniken zu integrieren, sind Veränderungen bei den neueren Formaten ein selbstverständlicher Teil des Produkts. 

Auf einer Meta-Ebene lässt sich diese Entwicklung gut mit Gaming vergleichen: Patches, Updates und konstante Weiterentwicklung sind dort gelernt - eine Kultur, die zunehmend auch den Sport prägt. Wer dafür nicht bereit ist, könnte schon bald abgehängt werden. Erfolgreich werden künftig vor allem Formate sein, die Creator:innen, Athlet:innen und Community auf Augenhöhe balancieren. Reine sportliche Leistung allein reicht dafür nicht mehr aus. Nur auf Creator:innen zu setzen sorgt umgekehrt dafür, dass der Inhalt zu austauschbar wird. 

Aktuell werden die Karten im großen Stile neu gemischt: Chance für neue Player, und große Herausforderung für die altbekannten Wettbewerbe und Sportarten, die längt nicht mehr unantastbar sind.

Malte Hedderich, Managing Partner, Apollo18

Sporteo

Die Arena als Content-Plattform

Formate wie 3×3-Basketball, Padel oder auch Tennis-Events wie die Ischgl Trophy, an deren Premiere wir mitgewirkt haben, zeigen exemplarisch, wie sich Sport neu denkt: kompakt, urban, medial. Besonders spannend ist, dass die Spielfläche selbst zur kuratierten Medienarena wird. LED-Flächen, Musik, Licht und Social Content verschmelzen zu einem Erlebnis, das vor Ort wirkt und im Livestream nahtlos verlängert wird.

Neue Formate sind konsequent auf Sichtbarkeit, Storytelling und Digitalität ausgelegt. Das Stadion oder die Arena ist nicht nur Austragungsort, sondern Content-Plattform. Durch 360-Grad-Courts, kurze Wege und klare Bildkompositionen entsteht ein hoher Share-of-Screen – für Fans wie für Marken.

Wachstum entsteht über Community-Relevanz. Creator, Athlet:innen und Fans sind keine Verstärker am Rand, sondern Teil des Produkts. Entscheidend ist, sie früh einzubinden, Erlebnisse teilbar zu machen und über messbare Touchpoints nachhaltig Mehrwert zu schaffen.

Thomas Müller, Geschäftsführer, sporteo