

08.12.2025
„How desire becomes style“: Wie die Mode- und Sportwelt voneinander profitieren können
Das Fussballtrikot ist längst mehr als ein Fanartikel. In den vergangenen Jahren hat es die Sport-Bubble verlassen und ist zu einem festen Bestandteil der Streetwear geworden. Die Grenzen zwischen Sport, Mode und Entertainment verschwimmen zunehmend und eröffnet Marken Zugang zu ganz neuen Zielgruppen. Auf dem diesjährigen SPORT MARKE MEDIEN 2025 Kongress zeigten HUGO BOSS und der AC Mailand, wie sich Sport und Fashion zu mächtigen Identitätsfaktoren entwickeln – und warum authentisches Storytelling wichtiger ist als jedes Logo.
HUGO BOSS: Sport als kulturelle Sprache
Seit 1975 ist HUGO BOSS im internationalen Sportsponsoring aktiv. Was einst im Motorsport begann, hat sich heute zu einem globalen Portfolio über Golf, Tennis, Wintersport, Leichtathletik und Radsport entwickelt. Für James Foster, Senior Vice President Global Marketing & Brand Communications, ist klar: Sport, Fashion und Entertainment sind die Motoren einer modernen Markenidentität.
Streben nach Spitzenleistung und die Beherrschung des eigenen Handwerks – für Foster sind das nicht nur sportliche Prinzipien, sondern die Werte, die HUGO BOSS und die Athleten verbinden. Es gehe längst nicht mehr um Stoff, sondern um Bedeutung, Identität und Haltung. Karrieren von Sportlern seien öffentliche Geschichten – und ihre Kleidung ein Teil davon. Die Leitfrage für HUGO BOSS lautet daher: „How desire becomes style“.
Von Logos zu Storytelling: Die fünf großen Trends
Während früher die reine Sichtbarkeit der Logos im Mittelpunkt stand, zählt heute, was dahintersteht: Momente, Eindrücke, Authentizität. Jede Sportart verkörpert etwas Besonderes und HUGO BOSS nutzt diese Vielfalt bewusst: Eleganz im Tennis und Golf, Präzision im Motorsport, Purismus in der Leichtathletik, Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit im Radsport. Zentrale Themen für erfolgreiches Sportmarketing sind für Forster:
- Digital First & immersive Sportinhalte
- Datengetriebene Personalisation
- Purpose & ESG als Pflicht, nicht Kür
- Leistungsbasierte Sponsoring-Aktivitäten
- Hybride Erfahrungen zwischen realer und digitaler Welt
In naher Zukunft würden vor allem Creator-geführter Sport, ultrakurze Formate, KI-Storytelling, Tokenisierung und immersiver Fan-Erfahrungen gefragt sein. Sein Fazit: Entscheidend sind kulturelles Verständnis, Authentizität, Timing – und Inhalte, die alles andere als langweilig sind. „Sponsoring ohne Bedeutung ist nur Lärm.“
AC Milan: „Win football through fashion culture“
Während HUGO BOSS Sport nutzt, um Mode kulturell aufzuladen, geht AC Mailand den Weg in die andere Richtung: Fussball wird zur Fashion-Plattform. Marketing-Direktor Peter Morgan zeigte, wie der Club Mode als strategisches Wachstumsfeld nutzt.
Der Modemarkt ist um ein Vielfaches größer als der Fussballmarkt – selbst ein kleiner Anteil davon eröffnet enorme Potenziale. Deshalb verfolgt Milan ein ambitioniertes Ziel: eine Marke zu schaffen, die über sportliche Leistung hinausgeht. „Win football through fashion culture“ heisst hier der strategische Leitsatz.
Drei Säulen der Strategie: Mode-Mindset, Kulturpartnerschaften und neue Vermarktungsmechanismen
Zunächst sei das eigene Mindset wichtig: Wenn ein Sportverein zu einer glaubwürdigen Modemarke werden möchte, muss er auch handeln wie eine Modemarke. Um das zu erreichen, verpflichtete der italienische Fussballclub eigene Modetalente aus der Mailänder-Fashionwelt. Zudem wurde ein neuer Flagship-Store eröffnet und die Distribution optimiert. Die Produkte müssen auch Nicht-Fussballfans ansprechen und sollten hochwertig und cool sein. „Coolness ist leicht zu verlieren“, betont Morgan – am Ende sei man nur so gut wie das schlechteste Produkt.
Damit die Ware ein neues Publikum erreicht, setzt der Fussballverein auf ungewöhnliche Kooperationen. So kombinierten die Mailänder ihr Logo mit dem der Rolling Stones und brachten gemeinsame Kollektionen mit der Streetawear-Marke Pleasures und den Baseballern der New York Yankees heraus.
Auch in der Vermarktung brach man brach man bewusst alte Konventionen. Der Winterlaunch des vierten Trikots 2024/25 sorgte für eine neue saisonale Einnahmequelle zu einem Zeitpunkt mit geringem Wettbewerb. Das Tohütertrikot wurde „normalisiert“ und eine limitierte Auflage, kurbelte den Hype-Kreislauf an. Der Erfolg dieser Strategie ist messbar: Das Trikot erreichte Rekordumsätze, wurde zum Allzeit-Bestseller und sorgte für über eine Milliarde Impressionen.
Kontakt
ESB Marketing Netzwerk
Tobias Graf (Marketing & Kommunikation Kongresse)
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