Der Schweizer Sport vor gravierenden Zukunftsfragen

Medienkonsum, Korruptionsgesetz und die Spitzensportförderung bewegen Sportbusiness

Das SPORT.FORUM.SCHWEIZ am 9./10. November 2016 im KKL Luzern stiess auf grosses Interesse. Rund 600 Teilnehmer folgten der Einladung des Veranstalters ESB Marketing Netzwerk und seinen Partnern. Die Veranstaltung mit einem neuen Teilnehmerrekord stellt für Manager, Sponsoren und Medien einen festen Eintrag im Jahreskalender dar. Ein Fixpunkt für Wissenstransfer und entspanntes Networking der Sportbranche, welcher schweizweit einmalig ist.

Ein Blick in den Sportkonsum der Zukunft
Fussball, Tennis, Eishockey und Ski werden gemäss Nielsen Sports auch weiter die beliebtesten Sportarten der Schweiz sein. Die heute 16- bis 20-Jährigen interessieren sich aber überproportional für Volleyball, Unihockey, Kampfsport, Tanzsport und Beachvolleyball. Nicht nur die Interessen sind neu, sie werden auch über neue Medien konsumiert. Die Teenager von heute holen ihre Sportinformationen bereits zu 57% über die Social Media wie Twitter, Facebook oder Google+. Erste traditionelle Sportarten der 2. Reihe nutzen die Online-Welt daher bereits als Chance. So haben Fechten und Tischtennis über diese Kanäle bereits Millionen erreicht.

Die SRG SSR wie auch die Kommunikationskonzerne Swisscom und UPC stehen immer mehr im Wettbewerb um attraktive Sportrechte. Roland Mägerle, Leiter Business Unit Sport SRG SSR arbeitet an Innovationen und kann sich auch die Übertragungen der FIA Formel E oder andere neue Sportarten auf seinen Kanälen vorstellen. Dies wird aber stark davon abhängen, wie der neue UPC-Sender MySports und die internationalen Streaming-Dienste die Preise beim Pokern um TV-Rechte nach oben schiessen lassen. Roger Feiner, Vice President Content Strategy bei UPC prognostiziert, dass der Livesport in den nächsten fünf Jahren um 50% zunehmen wird.

Gewinnt die Schweiz in Tokyo 2020 noch Medaillen?
Ralph Stöckli, Chef Leistungssport von Swiss Olympic bräuchte zusätzliche finanzielle Mittel in der Höhe von mindestens 30 Millionen Franken, um im internationalen Vergleich nicht hinterher zu hinken.
Matthias Remund, Direktor des Bundesamts für Sport rät Swiss Olympic dringend mehr Lobbying zu betreiben. Am Vater-Tochter-Tag begleitete ihn Tochter Laina Remund auf die Bühne des SPORT.FORUM.SCHWEIZ. Die 11-Jährige mehrfache Schweizermeisterin im Wasserspringen formulierte ihren Traum von einer Olympiamedaille und den Bedarf nach einer professionellen Infrastruktur. Olympiasieger Mario Gyr forderte auch von Sponsoren mehr Förderung in der Aufbauphase statt des „Belohnungssponsoring“.

Am neuen Korruptionsstrafgesetz geht kein Weg vorbei
Das Korruptionsstrafrecht wurde per 1.7.2016 in der Schweiz verschärft (Lex FIFA). Bill B. Mistura, Geschäftsführer vom HC Davos: „Ich stelle mir die Frage, ab wann es wirklich heikel für die Sponsoring- und Hospitality-Umsätze wird“. Er spüre eine Verunsicherung bei seinen Partnern und auch schon eine Vertragskündigung habe es gegeben.
Auch Christoph Lanz, Leiter Corporate Legal & Management Services der MCH Group stellt diese Verunsicherung fest. Er empfiehlt den Unternehmen eine aktive Auseinandersetzung mit Compliance. Einladungen, vor allem auch deren Zeitpunkt, sollen sorgfältig analysiert werden. Eldrid ten Bosch, Head Anti-Bribery and Corruption bei der Credit Suisse hält Transparenz gegenüber den Kunden, warum dieser eingeladen oder nicht eingeladen wird für essentiell. Die drei Experten sind sich einig, es wird in naher Zukunft Präzedenzfälle geben und diese bringen mehr Rechtssicherheit.

eSport – Sponsoring in der Fantasiewelt?

Während Manuel Huber / CEO Grasshopper Club Zürich auf der Hauptbühne erklärt: „Wir sind noch nicht so weit für Fantasy Sports“, zieht es viele Teilnehmer in das Referat von Ex-eSport-Weltmeister Daniel Luther im SPONSORSHIP.DIGITAL.FORUM. Der eSport boomt auch in der Schweiz und ermöglicht ein riesiges Potential für neue Sponsoren. Luther: „Konservativ geschätzt erzielt heute die eSport-Branche pro Jahr 500 Millionen Dollar Umsatz, 2019 wird es eine Milliarde sein.“ 42% aller Deutschen betreiben eGaming regelmässig. Riesige Umsatzzahlen in Fantasy Sports-Spielen und eSport-Ligen sowie die schnelle Verbreitung von einzelnen Games wie Pokémon Go unterstreichen dies. “Unser Sport ist anstrengend, wettkampfgetrieben und emotionsgeladen. Wir mobilisieren die Fans wie in den klassischen Sportarten, zur ESL One Cologne kamen zum Beispiel 14'000 Zuschauer“ sagt Luther.

Nachhaltige Host Cities

Urs Hunkeler, Verwaltungsratspräsident der Messe Luzern und sein Team haben sich erfolgreich für die Winteruniversiade 2021 beworben. Nun beginnt die Planung für den zweitgrössten Winter-Multisport-Event mit über 2500 Studenten aus 50 Nationen. „Wir wollen ein begeisterndes Sportfest in der Heimat mit sympathischen Gastgebern, um den Tourismus- und Bildungsstandort Luzern nachhaltig zu stärken.“ Nachhaltigkeit, Innovation und Vermächtnis (NIV) sind auch die Schlagworte für Prof. Jürg Stettler der HSLU Luzern. Sein NIV-Konzept für die Ski WM 2017 wird nur funktionieren, wenn verbindliche Absprachen und enge Kooperation mit den Stakeholdern und weiteren Anspruchsgruppe getroffen werden. In seinen Augen machen NIV-Konzepte bei allen Sportgrossveranstaltungen Sinn.

Die Bandenwerbung lernt unsere Bedürfnisse kennen
Was Google im Internet schon lange tut, will die Firma VirtualAds nun im Live-TV umsetzen. Künftig wird jeder Zuschauer eine Werbung, welche auf seine Bedürfnisse zugeschnitten ist auf der LED Bande sehen. Markus Laub, CEO von VirtualAds: „Der FC Barcelona nimmt pro Minute 5000 CHF auf den LED-Banden ein. Diese Minuten nun in verschiedenen Ländern an die Zielgruppen zu verkaufen, wird den wirtschaftlichen Erfolg nicht mehr nur vom sportlichen Erfolg abhängig machen.“

 

 

 

 

 

 

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